Kulturelle Unterschiede

Hier zwei Auszüge aus dem Blog von Jörg Buchholz - mit viel Humor und Detail beschreibt er die kleinen aber feinen Unterschiede zwischen deutscher und neuseeländischer Lebensweise. Wer nach dem Lesen noch nicht genug geschmunzelt hat, hier gibt es mehr. 

On the Bus

Ok - das Gras ist definitiv nicht grüner; und so sehr ich Verallgemeinerungen und Klischees auch verabscheue: Der busfahrende Kiwi an sich ist in der Tat lockerer, freundlicher und unaufgeregter als der öffentliche Nahverkehrswessi. Unsere neue Heimat Sumner liegt ja - bezogen auf die Uni - am anderen Ende von Christchurch und ich nutze daher täglich den örtlichen ÖPNV. Und jeden Morgen bin ich wieder überrascht, mit welcher ausgewiesenen Freundlichkeit Busfahrer und Fahrgäste miteinander umgehen. Jeder, der den Bus besteigt, begrüßt den Fahrer (man muss vorne einsteigen, um zu bezahlen oder seine Metrocard auf das Abbuchungsgerät zu legen) und jeder - egal ob Punker oder Banker - der den Bus verläßt, bedankt sich wieder bei ihm. Die ersten Tage bin ich regelmäßig zusammengezuckt, wenn jemand den Bus durch die hintere Tür verließ und dabei ein fröhliches "Thank you!" nach vorne schmetterte. Und da die alternative landesübliche Dankes- und Verabschiedungsformel schlicht "Cheers!" lautet, verwende ich jetzt einfach das heimwehkompensatorische norddeutsche "Tschüß!", ohne dass mich je ein Fahrer missverstanden hätte.
Die gleiche zwischenmenschliche Verbundenheit zeigt dann auch der Busfahrer selbst, wenn er sich beim Fahrerwechsel mit Verbeugung von seinen Fahrgästen verabschiedet und uns eine angenehme Weiterfahrt bei seinem Kollegen wünscht. Oder man versuche bitte mal, sich einen guten deutschen BSAG-Fahrer vorzustellen, der sich vor der Fahrt in aller Seelenruhe Ohrhörer reinstöpselt und dann während der Fahrt lautstark zu der Musik in seinem Kopf mitsingt. Oder der sich bei jedem Autofahrer, der ihn aus der Haltebucht herauslässt, bedankt, indem er sein Seitenfenster aufschiebt und mit der Hand aus dem offenen Fenster winkt. Oder der, wenn er mich zur Haltestelle hasten sieht, mir einfach 20 Meter vor der Haltestelle die Tür öffnet. Oder der während der Fahrt auf seinem breiten MAN-Lenkrad für zwei Backpacker eine Karte skizziert, um ihnen den kürzesten Weg zu ihrem Hostel zu zeigen und sie dann bei der nächsten roten Ampel rauslässt.
Erlebt habe ich erst zwei Vorschriften, die gnadenlos umgesetzt werden: Wenn man das "Please signal the driver", das vorne links an jedem Bus prangt, als offensichtlich an einer Haltestelle Wartender nicht wirklich erst nimmt, fährt der Bus tatsächlich ungerührt an einem vorbei. Und wenn eine junge Frau von sich behauptet: "I'm a child", aber keinen Ausweis vorlegen kann, der beweist, das sie wirklich noch keine 18 ist und sie dann den Erwachsenenfahrpreis nicht bezahlen kann/möchte, muss sie tatsächlich wieder aussteigen; und zwar komplett ohne jegliche Diskussionen oder Einmischungsversuche anderer Fahrgäste. Die Deutsche Bahn wäre begeistert ...
Kleiner Nachtrag zum Thema Hochschulgepflogenheiten: Am Ende des Semesters treten Gruppen junger Bauingenieurstudiosi zum Praxistest an: Über den kleinen Bach durch das Campusgelände wird von jeder Gruppe aus prädefinierten Baumaterialien eine Brücke konstruiert und auf ihre Stabilität hin überprüft, indem sich die Konstrukteure selbst auf ihrer Brücke einer nach dem anderen versammeln. Und da es offensichtlich unmöglich ist, mit dem vorgegebenen Material eine Brücke zu bauen, die alle Konstrukteure gleichzeitig trägt, ist zum deutlich zur Schau getragenen Vergnügen aller zuschauenden Kommilitonen sichergestellt, dass jede Gruppe irgendwann unter großem Gejohle der Zuschauer im Bach landet. Gewonnen hat dann natürlich die Gruppe, die die meisten nassen Mitglieder vorweisen kann.
Und Jürgen, im Department of Mechanical Engineering der University of Canterbury hat man durch intensive empirische Forschung herausgefunden, dass es sehr gut für das Betriebsklima der Abteilung ist, wenn die Abteilungsleitung regelmäßig aus Abteilungsmitteln Kuchen ausgibt und man dann ganz unverbindlich in lockerer Runde miteinander plaudern kann.
Die Erinnerungsmail der Sekretärin sieht dann einfach so aus:

From: Rebecca Morgan
Sent: Wednesday, 27 October 2010 9:38:10 a.m.
To: _Mech Staff
Subject: Cake TODAY @10.30 - Tea Room

Anders rum?

Liebe Kiwis, ich verstehe euch nicht! Akzeptiert doch bitte, dass mein aktiver Englischwortschatz aus Friends, How I Met Your Mother, True Blood und Big Bang Theory stammt und dass ich einfach nicht sofort verstehen kann, dass ihr, wenn ihr "tin pits" sagt, keine Zinnbergwerke meint, sondern zehn Haustiere. Und wenn ich den Satz "The biker is Girmin" höre, dann kann ich nur aus der Tatsache, dass ich jetzt gerade in der einzigen Bäckerei Christchurchs stehe, in der es Schwarzbrot gibt, das sich nicht mit einer Hand auf 10 Volumenprozent komprimieren läßt, schließen, dass ihr über einen deutschen Bäcker sprecht. Aber ich werde schon noch lernen, dass "i" nun mal offensichtlich euer absoluter Lieblingsselbstlaut ist und irgendwann werde ich dann auch mit einem "Jitpick" fliegen, versprochen.
Und dass ihr auf der falschen Straßenseite fahrt und ich als Fußgänger auch nach zwei Wochen immer noch zuerst nach links blicke und jedesmal um ein Haar von euch überrollt werde - geschenkt. (Mir hat mal ein Brite erklärt, dass er natürlich auf der richtigen Seite fahren würde, weil schon damals in der guten alten Zeit die Ritter - die meistens ihre Lanze in ihrer rechten Hand hielten - im Turnier korrekt links aneinander vorbei geprescht sind.). Aber mir war bislang überhaupt gar nicht bewusst, dass sich das Linksreitgebot hier offenbar intuitiv auch auf Fußgänger ausdehnt. Wenn ich so in Differenzialgleichungsgedanken rückenmarksgesteuert über den Uniflur schlendere, stehen mir immer wieder plötzlich entgegenkommende Menschen im Wege und blicken mich mit großen Augen an. Und jedes Mal ertappe ich mich dann dabei, dass ich schon wieder auf der bösen rechten Flurseite stehe. Da bin ich allerdings sehr skeptisch, ob mein 50+ Unterbewusstsein das noch gebacken bekommt ...

Mehr lustige und spannende Erlebnisberichte von Jörg J Buchholz gibt es hier: www.jjbuchholz.blogspot.com


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